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Bremen - Die Universität

Ästhetische Feldforschung am 19.5.2018. - 10:00-13:00

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"1769 - Parolen" 2018, Edit 3/3, 100x100cm, Inkjet auf Leinen auf Keilrahmen.
Die horizontale Kompression von 10 Einzelbildern und deren vertikale Schichtung ergeben ein Werk, das Formen und Farben zu einem neuen Bild verschmilzt und darin den Spirit des Ortes erfasst.

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Das Konzert der Frösche

"Aus einem Zeitungsartikel in „Le Monde“ erfahren wir, dass ab dem Wintersemester 1971- zeitlich passend für uns - in Bremen eine neue Reformuniversität eröffnet wird.
Das für uns Reizvolle und Besondere dieser Universität ist die Einführung der sogenannten Drittelparität, ein Novum an deutschen Universitäten:
Hochschullehrer und Studenten sowie der gesamte Dienstleistungsbereich der Universität sollen demgemäß gleichberechtigt an allen inhaltlichen und allen organisatorischen und verwaltungstechnischen Bereichen mitbestimmen können.
Genau für diese Neuerung haben wir uns während unserer Münchner Studentenzeit eingesetzt - erfolglos. Diese Chance auf demokratische Mitbestimmung hätten wir nun in Bremen."

"Das Studium in Bremen ist eine neue und positive Erfahrung für uns: Endlich keine Vorlesungen mehr in riesigen Hörsälen wie in Tübingen und München, sondern das Arbeiten in Kleingruppen und fächerübergreifenden Projekten mit meist lockeren Typen, die unsere Professoren sind.
Obwohl wir keine Studienanfänger sind, erscheint uns Vieles wie ein Anfang: Neue Inhalte, neue Arbeitsmethoden und neue Sichtweisen. Zum ersten Mal ist das Studium bei all dem Wirrwarr interessant."

"In der neu geschaffenen Bremer Uni studiert man nicht mehr in Einzelfächern, sondern in thematischen Projekten, denen verschiedene weitere Fächer zugefügt sind. Dieser ganzheitliche Ansatz interessiert uns.
Noch bereits vor ihrer Eröffnung steht die Universität in Bremen jedoch wegen dieser Neuerungen bundesweit in heftiger Kritik. Sie wird als „Rote Kaderschmiede“ bezeichnet und von allen konservativen Kräften, sowohl in Bremen als auch anderen Bundesländem, mit großem Argwohn beäugt, als würde die definitive Revolution von diesem Ort ausgehen."

"In der Uni geht es seit ihrer Gründung hoch her. Das Studium ist politisch und eine Versammlung jagt die andere. In den Seminarräumen und Fluren werden ständig irgendwelche Plakate und Transparente gemalt und Aktionen vorbereitet. Per Megaphon werden Hinweise auf Treffen oder Aktionen gegeben.
Zentrale politische Themen sind der Vietnamkrieg, die schleichende Wiederaufrüstung in Deutschland und sich verschärfende soziale Krisen.
Nicht nur die Uni, die ganze Stadt ist vollgeklebt mit Plakaten, viele davon SPD und DKP - ein für uns bislang aus der Bayern-Studentenzeit vollkommen ungewohnter Anblick."

"Wir begreifen die gesellschaftliche Funktion und Wirkung von Literatur und auch die der anderen Fächer, die Wechselwirkung von historischen Ereignissen und künstlerischer Ausgestaltung. Wir lernen, dass das handelnde Subjekt, der Mensch, immer das Wichtigste ist, und dass jeder auf seine Weise etwas verändern kann. Das macht Mut, schafft Vertrauen in die eigene Handlungskraft."

"Studentische Organisationen werden in Hülle und Fülle neu gegründet - von konservativ bis links. Wir schließen uns einer der vielen linken Studentenorganisationen an, dem MSB Spartakus, eine gewisse Zeitlang auch der DKP, die Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre angesichts der Klöckner- und Unistreiks sowie der Bremer Schülerproteste gegen Fahrpreiserhöhungen bei Arbeitern, Studenten und Schülern einen Aufschwung erlebt."

"Die Wege der ehemaligen Studenten-Genossen und Mitstreiter werden sich trennen. Mit dem Eintritt ins Berufsleben wird jeder seinen eigenen politischen und privaten Weg gehen, manche individualisiert und manche
innerhalb anderer Parteien. Das Feuer für soziale Gerechtigkeit, Frieden und die Aufarbeitung des Holocaust wird jedoch bei den meisten weiter brennen und politisches Lebensprinzip bleiben."

Zitiert aus: Sabine Ott -
"Erinnerungen - unangemeldet kommt ihr zu mir."
Biografische Notizen, Bremen 2018, Seite 109f
Sabine Ott war stv. Schulleiterin am Hermann-Böse Gymnasium. Sie beschreibt die Situation an der Bremer Uni für sich und ihren Mann Dr. Manfred Ott
, Oberstufenkoordinator am Gymnasium Lilienthal.





































































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Ein spontanes Gespräch mit einem polnischen Diplomingenieur auf dem Boulevard der Uni am 19.5.2018 um 11:15.





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