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Die TV-Moderatorin Anneke Ter Veen
fragte in ihrer Mail vom 11.8.2017:

"Von Ihrem Projekt "Archiv" haben Sie mir erzählt. Was motiviert Sie dazu?"


Liebe Anneke Ter Veen -
Sie fragen nach meiner Motivation?

Das analoge/digitale Archiv
an dem ich arbeite, ist wirklich keine unangenehme "Arbeit". Es ist vielmehr ein neugieriger Blick zurück in der Gegenwart, gerichtet über die Vergangenheit in die Zukunft ;-)))

Eigentlich sollte diese Suite "rice.de" das Findbuch meiner analogen Publikationen im Staatsarchiv Bremen auf digitale Weise unterstützen. Es ging darum, eine umfangreiche Sammlung von mehr als 2.000 Dokumenten möglichst komfortabel und auf dynamische Weise zugänglich zu machen, denn Dokumente in einem Archiv sind ohne Nutzen, wenn man sie nicht finden kann.

Diese Suite sollte ein Inventar werden, ein Stadtplan, der Wege zu Orten beschreibt, der das Suchen erleichtert und das Finden möglich macht.

Aber in Dokumenten sind nicht nur Informationen sondern auch Emotionen. In ihnen sind Erfahrungen und Erinnerungen gebunden, die in einem lebendigen Inventar zu wachsen beginnen und ihre bunten Blüten entfalten.

Vor diesem Hintergrund wird sich diese Suite weiter entwickeln. Sie bietet über die zu erwartende Information über eine Werksammlung aus Bildern, Klängen und Worten hinaus auch Irritation und Inspiration. Die Räume bieten immer mehr Türen zu immer mehr Räumen!

Auf diese Weise entsteht ein Kosmos, der Assoziationen verknüpft, der Funktion und Freude verbindet, der eine neue Schönheit kreiert und der zum Entdecken und Erleben einlädt.

Ein zeitgenössischer Hybrid ist entstanden
, eine ganz neue Form von "Buch" in dem man nicht mehr linear blättert sondern räumlich verknüpft ist und über Worte und Bilder hinaus auch Klänge hören kann. Auch das ist neu: Es ist ein Buch, das zu jeder Zeit an jeder Stelle weitergeschrieben werden kann! Als Autor schafft man derart sein AlterEgo.Und dieses AlterEgo ist kein Produkt, das verkauft und gekauft wird - denn es steht im WEB allen Interessenten kostenfrei zur Verfügung ;-)))

Dieses Inventar lebt in einer amorphen Form. Es ist von außen in seiner Gestalt nicht sichtbar, es bietet mit seiner URL nur eine Tür in einen unüberschaubaren Komplex von Räumen, und niemand kann voraussehen was ihn dort erwartet.

Diese Suite formt eine Identität - indem sie sich über die übliche Funktion erhebt stellt sie den Anspruch, selbst ein Kunstwerk zu sein.

Als Architekt der amorphen Form und als Autor des intermedialen Buches werde ich integrativer Teil des Werkes. Denn wenn eine umfangreiche Sammlung von Gedanken und Artefakten wächst, wenn eine Sammlung Raum nimmt, dann stellt sich irgendwann unweigerlich die Frage:

> Warum hast DU das getan?

> Was ist in dieser Zeit mit Dir geschehen?

> Wohin willst Du?

Inspiriert hat mich in diesem Zusammenhang ein Sinnspruch des amerikanischen Poeten Edward Estlin Cummings:

"Always the beautiful answer /
who asks the more beautiful question?"


Diesem Gedanken, dass immer die Schönheit der Antwort nach der noch schöneren Frage fragt bin ich gefolgt und habe für mich die Frage zum Schlüssel für die Welt gemacht. So frage ich mich:

> Gibt es verpasste Gelegenheiten?
> Bei wem müßtest Du dich entschuldigen?
> Erkennt man einen Roten Faden?
> Welche Form von Sinn hast Du gesetzt?
> Wohin führst Du deinen weiteren Weg?
> ;-)))

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